Geburtstagfeierei: 30 Jahre Haldern Pop

Niemand der nicht selbst da war, wird es wohl verstehen. Aber so ist das mit vielen Dingen im Leben. Deshalb sei euch das Haldern Pop Festival ans Herz gelegt, wenn nicht dies Jahr, dann nächstes oder übernächstes. Ich bin schon ein paar Jahre jetzt dabei, dies Jahr das siebte Mal. Und feiere gern. Nämlich den 30. – hoffentlich kommt es nicht in die viel besagte Krise, in die man kommt, wenn es keine 2 mehr vorne gibt. Aber fangen wir von vorne an:

Nach dem Haldern Pop ist vor dem Haldern Pop. Deshalb wird nicht nur im dortigen Forum immer fleißig rückwärts gezählt. Und gemutmaßt, welche Bands als nächstes bestätigt werden und auch geschimpft wenn die nächste Veröffentlichungswelle nicht den (eigenen) Vorstellungen entspricht. Oder sich einfach gefreut auf das Lieblingswochenende im August.

Tatsächlich bedarf dieses Jahr das Line-Up einer haarscharfen Beohrung im Vorfeld, denn viele Namen kreisen eher in den kleineren Artikeln bekannter und unbekannter Musikzeitschriften oder nur auf Musikblogs. Ob sich die Macher des Haldern Pop (30) dort umgeschaut haben, weiß der Wind. Klar ist, nicht erst seit ihrer letzten Pressemitteilung, dass sie weiterhin ungern auf irgendwelchen Wellen mitschwimmen wollen, dass sie da bleiben, wo sie sind und von dort aus ein beträchtliches Line-Up zusammengestellt haben, aus dem hier ein paar Tipps kommen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Dass das Haldern Pop kein übliches Headliner-Festival ist, dürfte dem ein oder anderen die letzten Jahre bewusst geworden sein. Dennoch gibt es da ein paar große Namen, die doch alle irgendwie im Bereich des Geliebten liegen. Seien es die alten Herren aus dem Norden von den Goldenen Zitronen oder Kettcar, die Britpop-Helden James, Local Natives, die festivaltechnisch sehr umtriebigen Efterklang, die immer wieder überzeugenden Villagers, die zauberhafte Regina Spektor oder der tolle Glen Hansard. Allein Tom Odell, dem sein Ruf schon vorauseilt, ist kein alter Hase, aber schon ein (gefeierter) Star. Und das macht er gar nicht so schlecht, wie er kürzlich im Berliner Privatclub zeigte.

Die, um die es geht, stehen erstmal ein bisschen im Schatten der heimeligen Baumgruppen rund um den Reitplatz in Haldern. Doch wenn sie nicht überzeugt hätten,  wären sie vom 8. – 10. August nicht am Niederrhein. Dabei lassen sich nicht nur irgendwelche gniedeligen Folk-Barden ums Lagerfeuer nieder, sondern entdeckt man beim Durchhören die verschiedensten Stile. Mit ihrem mitreißenden Electropop werden die Briten von Duologue nicht nur mein kleines Herz zum Hüpfen bringen, denn schon weit im Vorraus sind diese einer meiner Highlights und have-to-see-Bands. Mit ihrer Mischung erinnern sie nicht selten an Tom Yorke oder Kashmir. Electro können auch Gold Panda, aber eher in die gechilltere Richtung. Das passt gut bei Nachmittagshitze oder als Betthupferl.

Weit ab vom Electro, dafür näher dran am Folk bewegt sich die Schwedin Anna Von Hausswolff mit ihrem Orgel-Pop. Düster, rauchig, erschreckend, schön – wenn das mal nicht perfekt ins Spiegelzelt passt. Bleiben wir doch noch kurz beim geliebten Folk: da können nämlich Bear’s Den und Half Moon Run nicht nur ein Wörtchen mitreden. Erstere wussten als Support von Daughter und letztere als Support von den Mumford-Söhnen zu gefallen.

Während eines Kid Kopphausen-Interviews im Juli 2012 gab Gisbert zu Knyphausen einen Musiktipp ab, nämlich Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, über die er sagte: “HipHop mit total abgedrehten Texten, was ich jetz so nicht von HipHop kenne. Instrumentiert ist das mit E-Gitarre, Kontrabass und Percussion. Das ist echt abgefahren und super.” Wer ein bisschen den Soul vermisst, dem seien Alabama Shakes ans Ohr gelegt, die mit ebendiesen und der absolut wahnsinnigen Stimme der Sängerin Gänsehaut bis in die Gehörgänge entstehen lassen.

Zu langweilig oder zwischendrin mal den Wunsch nach Krach und Schwitzen und Ausrasten? Dann ab zu Metz und den Suuns. Und überhaupt gibts da einige tanzlastige Bands, die einfach nur Spaß machen könnten. Einfach mal in Death Letters, Buke And GaseRubik aus Finnland oder die großartigen We Were Promised Jetpacks reinhören. Wer es schön verkopft mag, der sollte sich Ja, Panik auf keinen Fall entgehen lassen, die neuen alten Goethe-Institut-Söhne, die!

Wo das alles enden wird, weiß nur der Wind. Klar ist aber jetzt schon: Wir werden uns verdammt gut fühlen, wir werden entspannt sein, die Schnelllebigkeit an der Autobahnabfahrt anbinden. Die Vorfreude steigt, bis dahin weiter reinhören in die zig Neuentdeckungen, von denen man weiß, dass es einige entweder gar nicht oder erst später schaffen, einen Platz im Tonträger-Regal zu finden, dass andere aber sofort adoptiert werden wollen. Dabei nie den Leitsatz dieses Haldern-Jahres vergessen – be true, not better! Happy Birthday, liebes Haldern Pop!

erstveröffentlicht: concert-news.de

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s