Zugehört: Volcano Choir

VolcanoChoir_RepaveJa, auch mir entglitten die Gesichtszüge, als Justin Vernon aka Bon Iver vor einigen Monaten ankündigte, sein “Pojekt” erstmal auf Eis zu legen, dass er sowieso nicht genau weiß ob und wie das weitergehen soll. Erinnerungen an einen verpassten bzw. nur über den Zaun als unglaublich wunderschön erahnten Haldern-Auftritt, an Lamm mit Rosmarinkartoffeln, an einen weinduseligen Auftritt im Hamburger Docks und einen ebenso gefühlsduseligen im Stadtpark wurden wieder erweckt. Und ein Seufzen kam über meine Lippen. Künstlern soll man ja ihre Zeit lassen und wenn sie nicht mehr wollen, dann kann man es eben nicht erzwingen. Doch zum Glück hielt diese Phase nicht lange an, tröpfelten immer wieder Neuigkeiten über eine Zusammenarbeit Justin Vernons mit der Band Volcano Choir an die Öffentlichkeit. Und als ich schließlich das vollendete Werk dieses “Projekts” in der Hand hielt, war ich wieder versöhnt mit der Welt.

Zweifellos ist für mich “Repave” die logische Fortsetzung der Bon Iver-Vorgänger. Eigentlich sind Volcano Choir aus den Postrockern Collections Of Colonies Of Bees entstanden und die ersten Soundexperimente, die unter dem Namen Volcano Choir liefen, muteten eher den experimentellen Klängen an. Zwar bewegen sich die Songstrukturen in an Postrock erinnernde Gefilde, doch schwebt die Stimme Vernons über allem. Mal in seiner ursprünglich tiefen Art, mal als Kopfstimme, mal gesungen, mal mehr gesprochen. Aber dennoch unverkennbar. Musikalisch bewegt sich “Repave” zwischen folkig verspielt, rockig bombastisch und tragend hypnotisch. Und hier und da tröpfelt ein Keyboard, dass an den selbstbetitelten Vorgänger erinnert, gibt einem der hymnische Chorgesang bei “Acetate” das Gefühl, Teil des ganzen zu sein. Und das ist man irgendwie immer, wenn Zeilen wie “Take note, there’s still a hole in your heart”, “still, I’d know you’d come back, for a folly ridden Romeo, you break down a fortress, now” oder “I’ll be dancing on your footsteps out near the beachhouses, out in all the coke houses” durch die Luft flirren.

Viel verändert hat sich nicht und irgendwie doch, ist “Repave” zwar anders aber dennoch eine sinnige Weiterentwicklung. Wohin diese Reise geht, weiß Justin sicher noch nicht. Sicher ist nur, dass er dem Ganzen zwar einen anderen Namen gegeben hat, seine Präsenz aber so übermächtig ist, dass man sagen kann, dass dies das dritte Bon Iver-Album ist. Nur dass der gute Winter nun die wärmeren Orte vorzieht.

Und ja, er könnte auch sein “letztes Album rückwärts aufnehmen, ein rauschiges Foto von einer Pinie draufpacken und es als neues Material veröffentlichen. Niemand würde es bemerken und du würdest es wahrscheinlich auf das Cover vom Rolling Stone schaffen und zukünftig von Starbucks gesponsert werden.”

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s