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Zugehört: Yesterday Shop

yesterdayshop_parodosWie schwer das manchmal ist, die Klappe zu halten, wenn man schon vor Wochen nicht nur das Album der Woche, sondern einen Anwärter auf das Album des Jahres vor die Ohren gesetzt bekommt. Die Berliner Yesterday Shop hängen mit ihrem neuen Album “Parodos” (Trickser Tonträger) die Messlatte der Jahresalben noch einmal nach oben und zeigen eindrucksvoll, wie Indiepop geht, um nicht im selbigen Sumpf unterzugehen und nie wieder an die Oberfläche zu kommen.

Nachdem Yesterday Shop mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album nicht nur einen Einblick in ihr Seelenleben gegeben haben, legen sie mit “Parodos” gewaltig nach. Der Indie-Einheitsbrei macht es nicht leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn man schon von vornherein seine Ohren verschließt, bevor man einer Band wie Yesterday Shop überhaupt eine Chance gibt. Doch es lohnt sich, in ihren Kosmos einzudringen, es lohnt sich “Parodos” nicht nur ein oder zweimal zu hören, Songs wie “The Good Life” oder “Trees And Games” bleiben im Hirn, haken sich dort fest und tauchen im Laufe des Tages wieder auf, wenn man zwischen den Kühlregalen im Supermarkt, an der Ampel oder am heimischen Spülbecken steht. “Parodos” hat Suchtcharakter, wie ein Glas Nutella, wobei die Songs nicht immer klebrig süß im Gehörgang festsitzen, sondern auch mal mit voller Wucht und schonungsloser Realität wie bei “Two Beasts” ins Gesicht schlagen können.

Es entstehen Hymnen, die sich nicht nur im seichten Indie-Kosmos bewegen, sondern auch einen Schlenker Richtung Progressive-Galaxie machen und den Kopf ordentlich klingeln lassen. Abschließend wird in “My Fortune” all das auf den Punkt gebracht, was “Parodos” ausmacht. Töne die sich in überschwänglich euphorische Dopamin-Ausschütter verwandeln und am Ende an das Gute glauben lassen. Wer bei der Stimme von Clemens Kluck nicht an Chris Martin denkt, hat vermutlich damals nicht zu “Yellow” in der Indie-Disco geknutscht. Nun wird zu “Parodos” geknutscht, den Rest des Jahres!

Tourdated:
14.Mai Berlin / Lido
15.Mai Leipzig / Täubchenthal
16.Mai Frankfurt am Main / Grünes Theater
17.Mai Stuttgart / Merlin
19.Mai Hamburg / Molotow Exil

Erstveröffentlicht: concert-news

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Lieblingscover: Dråpe – Canicular Days

Drape - Canicular Days
Dråpe kommen aus Norwegen und präsentieren auf ihrem bereits am 8. November erschienenen Album “Canicular Days” eine wunderbar fluffig, flirrende Mischung aus Dream-Pop, Postrock, Shoegaze und Psychedelia. Und das wirkt – ganz gegensätzlich zur melancholischen skandinavischen Winterschwere – äußerst lebhaft und irgendwie sommerlich. Das Cover tut da sein übriges. Wunderschön!

Lieblingscover: 911 (Wycleff Jean)

Am gestrigen Dienstag durfte ich zum zweiten Mal in diesem Jahr einem Konzert der Wahlberlinerin Kat Frankie beiwohnen. Damals noch solo beim Husum Harbour, gestern im großen Saal des Kampnagel. Auch wenn sie den Saal nicht ausverkaufte, die Plätze aber gut gefüllt waren, schaffte sie es zusammen mit ihrer Band, das Publikum zum bedächtigen Lauschen zu bringen.

Gelauscht wurde dieser wahnsinnig schönen Stimme, die jede Art von Räumen ausfüllt, Doch nicht nur das. Bei Kat Frankie hat man immer das Gefühl, dass sie voller Leidenschaft dabei ist. Das steckt nicht nur in ihrer Stimme, sondern ihre ganze Körpersprache gibt sich der Musik hin. Ob sie nun leicht ihre Hände zum Takt bewegt, man ein kaum merkbares Lächeln über ihre Lippen huschen sieht oder sie ausgelassen und mit geschlossenen Augen tanzt: sie ist da und irgendwie voll versunken, in dem was sie tut. Deshalb wächst ihre Fanschar sicher immer mehr an, nicht zuletzt weil man sie beim wunderbaren TVNoir bestaunen oder ihrem letzten Album “Please Don’t Give Me What I Want” lauschen kann.

Ich bin längst infiziert, seit gestern ist sie wieder sehr präsent. Und beim Suchen fand ich folgendes Video zum Wyclef Jean-Song “911, welches durch mich heut um einige Abspielzahlen nach oben geschossen sein muss.