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Rotation 2013: Love A

loveAIrgendwieDiese Band hat mir den Frühling versüsst, wie man ihn sich nur mit Schnaps und Misanthropie versüssen kann. Nicht nur mit ihrem am 12. April erschienenen zweiten Album “Irgendwie”, sondern auch mit Konzerten, bei denen keine Kehle ungesungen und ausgetrocknet blieb. Aber von Anfang an:

Es war an einem Samstag: das Herz hüpfte, als das neueste Werk (als CD und Vinyl erhältlich) von den Trierern Love A beinahe vor die Füße fiel. Und dieses Herz hörte nicht auf zu schlagen, als die ersten Töne und Zeilen laut durch die noch nach Schlaf muffelnde Bude hallten. Und plötzlich war alles wach und klar und völlig euphorisch. Denn mit “Irgendwie” (Rookie Records) machen sie mit dem weiter, was sie beim Debüt  “Eigentlich” so wunderbar zelebriert haben: mit der geballten Faust gehetzt, wütend, ungestühm durch die Gegend stolpern. Das können sie immernoch. Und jetzt produzieren sie Hits Hits Hits, die jeder in seinem Kopf hat und auch jeder kennt. Boah ey!

Nach der Veröffentlichung von “Eigentlich” folgten Auftritte mit Frau Potz, Turbostaat und auf dem Reeperbahnfestival. Es wurde geschwitzt, geschrien, mitgesungen. Und genau das möchte man auch wenn man “Irgendwie” hört. Am liebsten am morgenmuffeligen Montag in der U-Bahn, wenn einem der Menschenhass mal wieder die Tür beim Aussteigen versperrt, wenn einem der Wochenanfangsunmut schon wieder ein Bein stellt. Denn bissig sind die Texte immernoch, melancholisch, gehetzt, hysterisch, alles zusammen. Musikalisch klarer mit 80er Synthies und manchmal sogar in Popgefilde abdriftend. “Windmühlen”, die erste Single, ist einer dieser (Pop)Hits Hits Hits. Aber  sie zeigen deutlich, dass sie nicht lieb kuscheln wollen, sondern lieber kratzen, beißen, um sich schlagen. Um das musikalisch umsetzen zu können, besuchten sie ihren Freund Robert Whiteley in seinem Studio in Liverpool, in dem auch schon die Wombats, Hot Club de Paris und Voo zu Gast waren.

Es füllen sich die Blätter der Zitierbücher, die Hirnwindungen im Kopf, der mal nicht nur im Sand steckt oder vor Schmerz pocht. Bald werden die Kids da draußen Zeilen wie “Kopf aus, Musik an, leg deine Hände in den Schoß. Oder aufstehen und dann tanzen, bis die Füße bluten” als Status durch den Äther schicken. Oder es werden sich an Langeweile und Alltag erkrankte Pärchen “Du bist Kirmes, du bist Möbelhaus, und ich bin genervt. Es wurde alles schon gesagt, doch noch nicht überall” im Stillen denken.

Und Love A sitzen mit dem Zynismus, dem einarmigen Halunken, nicht nur an der Bar und erzählen dreckige Witze, sie ziehen ihn sogar in die dunkelste Ecke (ihres Phantomschmerzes) und erzählen ihm vom Leben “mit so nem bisschen Glitzer, ein bisschen wie Italien”. LOVE EY!

Siehe concert-news.de

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