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Husum Harbour 2015

Möwengeschrei, Hafengeruch, entspannte Stille im kleinen feinen Husum, im Norden Deutschlands. Noch ist es die graue Stadt am Meer, doch schon in ein paar Wochen werden in Husums Parks viele viele Krokusse blühen. Das führt im April immer viele Touristen in diese Gegend. Doch seit fünf Jahren gibt es noch eine weitere Attraktion in der Stadt. Das Husum Harbour Festival, was jährlich im schönen Speicher stattfindet; ein kleines-feines Indoor-Festival, mit viel Liebe, Musikverstand und Herzblut organisiert. Und es wächst und wächst. Standen anfangs eher regionale bzw. deutsche Musiker wie Wolfgang Müller, Spaceman Spiff, Clickcklickdecker, Gregor McEwan, Maike Rosa Vogel, Tim Neuhaus, Enno Bunger, Honig und Niels Frevert auf der Bühne, so werden mittlerweile auch schon international bekannte Musiker gebucht.

So werden beim kommenden Husum Harbour Festival 2015 am 11. und 12. April neben Projektor, Florian Ostertag und Talking To Turtles auch Scott Matthew und Matthew Caws von Nada Surf auftreten. Wie auch in den letzten beiden Jahren wird es nicht nur einen Festivalabend geben, sondern auch einen Frühstücksmorgen mit Akustikkonzert. Tickets für alles gibt es nur bei Reservix.

projector
Wer bei Enno Bunger schon mal genau hingeschaut hat, dem ist vielleicht Onno Dreier aufgefallen. Dieser begleitet ihn bei dem ein oder anderen Auftritt und ist selbst blutjunger studierter Multi-Instrumentalist und sein ebenso blutjunges Musikprojekt nennt sich Projektor. Melancholisch, düster und sphärisch zwischen schwimmen und schweben fallen Namen wie Ólafur Arnalds und Ry X. Einen kleinen Vorgeschmack gibts mit dem bisher einzigen Musikvideo zum Song “Sinking Lights”.

TalkingToTurtles
Wenn ich an Talking to Turtles denke, erinnere ich mich an ein wunderbares Orange Blossom Festival 2011. Da war ich ganz verzaubert von deren Auftritt, von kleinen Klängen mit großen Geschichten, von sensiblen, manchmal schrägen Arrangements. Und von Claudia und Florian alias Talking To Turtles, die so angenehm angenehm waren, dass mir auch nach dem Festival damals noch Herzchen in den Augen standen und ich “We are both each other’s heros, I am yours, you are mine” vor mich hin pfeifend auf die S-Bahn in Hamburg wartete. Nun, ein paar Jahre später freue ich mich, immer wieder von ihnen zu hören. Längst ist mit “Split” ihr Drittwerk erschienen, auf dem sie ihren mal zuckersüßen, mal bitteren Indiepop per excellence weiterführen. Wunderbare Entscheidung liebes Husum Harbour Orgateam!!!

FlorianOstertag
Florian Ostertag hat sich die Bühne bereits als Support mit Philipp Poisel geteilt, stand schon auf diversen kleinen und unter anderem den größeren Haldern Pop und Golden Leaves Festival auf der Stage, seine Singer-Songwriter Tour war teilweise ausverkauft und er ist aus dem ganzen gitarrenklimpernden Talentpool nicht mehr wegzudenken. Als richtige Konsequenz spielt er nun auch auf dem Singer-Songwriter-affinen Festival in Nordfriesland.

ScottMatthew
Auch hier eine Erinnerung: Scott Matthew auf Kampnagel, mehrmals. Immer, wie der Kampnagel eben so ist, recht düster, ganz minimalistische Bühnengeschichte. Heißt im Fall von Scott Matthew-Konzerten: entweder er allein oder mit seinem Gitarren- / Kontrabasskumpel. Weil gerade sein damaliges Album “Gallantry’s Favorite Son” erschienen war und seine Songs immer irgendwie eine gewisse Schwere hatten, war mir auch ganz schwer zumute. Doch dann stand da nicht nur der sensible Künstler auf der Bühne, der immer ein bisschen schüchtern wirkt, sondern auch der Quatschkopf Scott Matthew, der wunderbar sarkastisch, ironisch, zynische Witze machen kann, bei denen man sich gern mal an der eigenen Spucke verschluckt und die ganze Schwere glücklicherweise nicht mehr ganz so schwer ist. Neben seinen zauberhaften eigenen Songs ist er ein wahrer Coversongsverschönerer, die er 2013 auf sein “Unlearned” gepresst hat. Wenn einer covern darf, dann er. Somit verspricht der Auftritt beim Husum Harbour  alles was man sich nur wünschen kann.

MatthewCaws
Ich freue mich wirklich über jeden Künstler, der bei diesem schönen Festival dabei sein wird, aber ganz besonders freue ich mich auf Matthew Caws / Nada Surf. Eine Anektdote aus meiner Nada Surf-Liebe rauszusuchen ist schwer, denn da gibts viele. Nur so viel: es wird etwas ganz besonderes, diesen Künstler vor so wenig Menschen live sehen zu können. Nach einem ausgiebigen schönen und geselligen Frühstück nämlich als Akustikact am Sonntag mittag. Melodiöser Indiepop, der mit tollen Texten gefüllt wird, dazu ein sympathisch und offen wirkender Künstler, der sich selbst nicht so wichtig zu nehmen scheint. Für “Popular” bekannt, aber geliebt für “Inside of love” und “Kilians Red”, wird Matthew Caws den Sonntag zu einem unvergesslichen Tag machen.

Liebes Husum Harbour Orgateam, ich verneige mich einmal mehr vor euch, dass ihr das alles so auf die Beine gestellt bekommt, dass ihr die Perlen im Sand findet, dass ihr Herzblut vergießt. Ich freue mich sehnsuchtsvoll auf das Stückchen zu Hause, auf die Flucht aus dem isländischen Urlaubsland.

HusumHarbour2015

 

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Lieblingscover: 911 (Wycleff Jean)

Am gestrigen Dienstag durfte ich zum zweiten Mal in diesem Jahr einem Konzert der Wahlberlinerin Kat Frankie beiwohnen. Damals noch solo beim Husum Harbour, gestern im großen Saal des Kampnagel. Auch wenn sie den Saal nicht ausverkaufte, die Plätze aber gut gefüllt waren, schaffte sie es zusammen mit ihrer Band, das Publikum zum bedächtigen Lauschen zu bringen.

Gelauscht wurde dieser wahnsinnig schönen Stimme, die jede Art von Räumen ausfüllt, Doch nicht nur das. Bei Kat Frankie hat man immer das Gefühl, dass sie voller Leidenschaft dabei ist. Das steckt nicht nur in ihrer Stimme, sondern ihre ganze Körpersprache gibt sich der Musik hin. Ob sie nun leicht ihre Hände zum Takt bewegt, man ein kaum merkbares Lächeln über ihre Lippen huschen sieht oder sie ausgelassen und mit geschlossenen Augen tanzt: sie ist da und irgendwie voll versunken, in dem was sie tut. Deshalb wächst ihre Fanschar sicher immer mehr an, nicht zuletzt weil man sie beim wunderbaren TVNoir bestaunen oder ihrem letzten Album “Please Don’t Give Me What I Want” lauschen kann.

Ich bin längst infiziert, seit gestern ist sie wieder sehr präsent. Und beim Suchen fand ich folgendes Video zum Wyclef Jean-Song “911, welches durch mich heut um einige Abspielzahlen nach oben geschossen sein muss.