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Rotation: Bang Gang

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Sitting, staring, waiting for the first tones of the song “The Sin Is Near” of the new record of Barði Jóhannsson alias Bang Gang, who was already working together with JB Dunckel from Air and Keren Ann and their projects Starwalker and Lady & Bird. Dark clouds are passing by, pushing the heaven near to the ground. Goosebumbs all over, the feeling of being not alone, a cold shower is passing the room. And this is how “The Sin Is Near” feels like, a bit dark, creepy but extremely present. No surprise, Bloodgroup was helping out with that creepyness. There couldn’t be a better beginning after the great “Something Wrong”, the last “Ghosts From The Past” and after years of working for several movie soundtracks for „De Toutes Nos Forces“ and “Would You Rather”. And after seven years of collecting feelings, moments, ideas and thoughts.

And all this feelings, moments, ideas and thoughts found a good home on “The Wolves Are Whispering” (released 19.6. via Bang ehf. / Alive), between strings, synthie-pianos and popsounds. Sometimes the coldish voice of Samaris singer Jofriður Ákadottir is crossing the hallway. She is almost breathing life into the dark rooms, she is whispering and everything is getting bigger, like a cathedral. She is taking your hand, coming very close to your face and singing “I can feel your heartdache under your surface”. You can feel the words healing in the silence. And then there are songs like “Wait By The Lake”, “My Special One” or “A Lonely Bird” (with Keren Ann) – softly, fragile and begging for listening and following Barði into the feelings and thoughts.

The end is marked with the unbelievable intense and beautiful song “We Will Never Get Along”. And here we go again: Goosebumbs, the cold shower is sneaking through the room, the song is building up and breaking out in the middle, it is sinister but in the beautiful way. “I am here with you even you are hiding somewhere else” – hello elfes, welcome to my home.

Barði has collected the best and also most sad thoughts, moments and feelings to create “The Wolves Are Whispering” and indeed made the best follow up for “Ghosts From The Past”. Still breathtaking, skinscratching and heartbreaking.

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Rotation: Love A

Love A_Jagd und Hund_CoverHere we go again spreading a lot of love with Love A. As I tried to remember when the second album “Irgendwie” of Love A hit the stores I realised that already two years passed. It doesn’t feel like! The truth is, there is still this craving for moving legs, shaking arms and heads when I listen to the first seconds of their new songs of “Jagd und Hund” (released 27.3. via Rookie Records, booking via Audiolith). And I am still craving for perpetuate their lyrics on walls, cut them into the bark or ink them on my skin. It would all worth it!

As “Irgendwie” was an album full of Hits Hits Hits, “Jagd und Hund” takes a step backwards from Indiedisco without loosing the brain fucking hooklines, without  loosing the rage of getting older, wiser or just without loosing the craving for a sick world. You can feel the pain, the hope, the desperation, the rage and aversion. You can read it in lines like:

Ihre Narben werden heilen mit der Zeit, die kalte Angst im Nacken bleibt gleich. […] Die Knie und das Hirn vom Hoffen weich” (Song 1 “Lose Your Illusion”)

Wenn man sie kennt, kann man getrost die Regeln brechen. Weil die meisten doof sind, fällts uns gar nciht schwer. Nur wer mal aufgestanden ist, der darf sich setzen und darum bleiben hier so viele Stühle leer.” (Song 4 “100.000 Stühle leer”)

Wir bleiben dumm und klein und sprachlos , wir spielen das Gegenteil und das steht uns gut, krallen uns weiter fest am Tellerrand und schaun dem dahinter weiter zu. Wir machen Schulden, sammeln Herzen denn unsere Selbstzweifel lassen das zu.” (Song 10 “Regen Auf Rügen”)

And you can hear it in the remarkable voice of singer Jörkk. Since their first album “Eigentlich” they extended their sound from indiepunk to postpunk and wave, never lost the heart for great guitar pickings, never lost their attitude and pay homage to bands they like (“Alles was ich will ist, nichts mit dir zu tun haben”, “Nein nein, no way, wir tanzen nie wieder zu den falschen Liedern”). As if all this rage and resignation would not be enough, they end the album with the very clearly lines “Brennt alles nieder, fickt das System” / “Burn everything down, fuck the system”. Nothing more to say…

Guys, you made this difficult third step (since the third album is called a difficult task) and it is really hard to unlove you! So again and again and again: LOVE, EY!!!

LoveA_Juh_Presse_02
on tour:
28.03.15 Trier, Exhaus (Releaseparty)
02.04.15 Köln, Gebäude 9
03.04.15 Hamburg, Molotow
04.04.14 Bremen, Tower
05.04.15 Hannover, Bei Chez Heinz
24.04.15 Düsseldorf, Zakk
25.04.15 Kassel, Goldgrube
26.04.15 Berlin, SO36
28.04.15 Potsdam, Waschhaus
29.04.15 Leipzig, Moritzbastei
30.04.15 Heidelberg, Häll
01.05.15 Wiesbaden, Schlachthof (Kesselhaus)
02.05.15 Koblenz, Jam Club
23.05.15 Hünxe, Ruhrpottrodeo
29.05.15 Augsburg, Kantine
11.07.15 Theley, Skatepark (Volcano Festival)

Zugehört: Bring The Mourning On

Warum sollte man sich, wenn es Richtung Frühling geht, immer mit den gleichen positiv klingenden seelenlosen Frühlings-Gute-Laune-Songs vollsülzen lassen, wenn man das am 4. April via Stargazer Records erscheinende neue Album “Northern Ghost” der Schweden Bring The Mourning On haben kann!?

Als Nachfolger von “Going Going Gone” und “Ukiah” reiht sich der nordische Geist lückenlos ein in den Reigen der scandinavian americana-Songs, die diesmal aber wieder mit mehr Kraft und Stärke bereits in den ersten paar Songs (“Let You Down”) überzeugen. Und dabei überraschen kleine Details, die erst durch genaues Hinhören herausstechen. So tanzen hübsche Geigentöne bei “Without You” zwischen sensiblen Pianoklängen und kräftigen Gitarrensounds.

BTMO - northern-ghostHört man genau hin, kann man die Bewegungen hören, die zwischen den Tönen entstehen, ein langes Atmen, ein vertrauter Blick, Finger die über die Tasten des Rhodes-Piano gleiten, der wissende Klang der Mundharmonika, die Stimmen von Erika Axelsson und Henning Pettersson. Ständiger Wegbegleiter bleibt, wie auch schon bei den Vorgängern, die Melancholie, die immer mit im Raum ist, die aber nicht stört, sondern einfach wie ein guter Freund ist. “Northern Ghost” als alter Vertrauter, mit dem man Wein trinkend auf einem gemütlichen Sessel sitzt und sich gar nicht viel zu sagen braucht, weil manche Dinge keine Worte brauchen. Aber Musik!

Diese Stimmung perfekt umgesetzt hat Mr. Idle Hand aka Björn Wahlström, der bereits mit dem Video zu “Eye Of The Beholder” und nun auch “Faiding Trail” Gänsehaut erzeugt. Man fühlt den Wind, der durch die Bäume weht, man fühlt den Schmerz des Kindes und von den Stimmgebern Erika und Henning, Man fühlt das nasse Laub unter den Füßen, man spürt den Tau auf den den Blättern und riecht die moosige Waldluft. Und man hört zwischendurch Schritte, vom “Northern Ghost”, vor dem man sich aber keinesfalls fürchten muss. Wunderbare Platte zum Durchatmen und Fallenlassen, zum Träumen.

Zugehört: James Vincent McMorrow

JVMcmorrow_posttropicalEs ist also wahr: verkauzte rotbärtige irische Songwriter ziehen sich zum Arbeiten an ihren Songs in die Einöde zurück. Klischee olé. Da gehen im Kopf lauter Lampen an, oder aus, wie mans nimmt. Und James Vincent McMorrow hat es schon wieder getan. Diesmal in der Nähe der mexikanischen Grenze. Aber zu hören ist von dem geographischen Einfluss nichts auf seinem neuen Album “Post Tropical”. Dafür hat er aber nicht nur den Sprung über den Ozean gewagt, sondern einen riesen Sprung in eine andere Richtung als man es nach dem Vorgängeralbum erwartet hatte.

Fühlte man sich auf “Early In The Morning” noch mehr an die Folkhelden Fleet Foxes und Mumford & Sons erinnert,  fängt gleich beim ersten Song des neuen Albums – “Cavalier” –  das Musikkopfkino an zu rattern. Wesentlich leisere Töne schlägt “Post Tropical” bereits am Anfang an. Da gibt es ruhige Keyboardklänge, Handclaps und die mehr als präsente oft in hohen Tönen gesungene hohe Stimme McMorrows. Schenkt man dem Album bis zum letzten Ton seine Aufmerksamkeit, so fallen Elektrobeats auf, wie man sie schon bei James Blake entdeckt hat, gibt es die bombastischen Orchester-Momente (wie im Titelsong) und findet man HipHop-Referenzen. Das alles passt wunderbar zu den zerbrechlich schönen Lyrics, z.B. wenn McMorrow singt: “I need someone to love, someone to hold”.

Der schüchterne Ire hat die Krux des zweiten Albums mit Bravour gemeistert, auch wenn die Songs auf “Post Tropical” weniger im Ohr hängen bleiben als beim Vorgänger. Aber dafür bleiben sie im Kopf hängen und gesellen sich zu denen von Bon Iver, James Blake und immer noch auch ein bisschen Damien Rice.

Erstveröffentlicht bei concert-news.de

Rotation 2013: Love A

loveAIrgendwieDiese Band hat mir den Frühling versüsst, wie man ihn sich nur mit Schnaps und Misanthropie versüssen kann. Nicht nur mit ihrem am 12. April erschienenen zweiten Album “Irgendwie”, sondern auch mit Konzerten, bei denen keine Kehle ungesungen und ausgetrocknet blieb. Aber von Anfang an:

Es war an einem Samstag: das Herz hüpfte, als das neueste Werk (als CD und Vinyl erhältlich) von den Trierern Love A beinahe vor die Füße fiel. Und dieses Herz hörte nicht auf zu schlagen, als die ersten Töne und Zeilen laut durch die noch nach Schlaf muffelnde Bude hallten. Und plötzlich war alles wach und klar und völlig euphorisch. Denn mit “Irgendwie” (Rookie Records) machen sie mit dem weiter, was sie beim Debüt  “Eigentlich” so wunderbar zelebriert haben: mit der geballten Faust gehetzt, wütend, ungestühm durch die Gegend stolpern. Das können sie immernoch. Und jetzt produzieren sie Hits Hits Hits, die jeder in seinem Kopf hat und auch jeder kennt. Boah ey!

Nach der Veröffentlichung von “Eigentlich” folgten Auftritte mit Frau Potz, Turbostaat und auf dem Reeperbahnfestival. Es wurde geschwitzt, geschrien, mitgesungen. Und genau das möchte man auch wenn man “Irgendwie” hört. Am liebsten am morgenmuffeligen Montag in der U-Bahn, wenn einem der Menschenhass mal wieder die Tür beim Aussteigen versperrt, wenn einem der Wochenanfangsunmut schon wieder ein Bein stellt. Denn bissig sind die Texte immernoch, melancholisch, gehetzt, hysterisch, alles zusammen. Musikalisch klarer mit 80er Synthies und manchmal sogar in Popgefilde abdriftend. “Windmühlen”, die erste Single, ist einer dieser (Pop)Hits Hits Hits. Aber  sie zeigen deutlich, dass sie nicht lieb kuscheln wollen, sondern lieber kratzen, beißen, um sich schlagen. Um das musikalisch umsetzen zu können, besuchten sie ihren Freund Robert Whiteley in seinem Studio in Liverpool, in dem auch schon die Wombats, Hot Club de Paris und Voo zu Gast waren.

Es füllen sich die Blätter der Zitierbücher, die Hirnwindungen im Kopf, der mal nicht nur im Sand steckt oder vor Schmerz pocht. Bald werden die Kids da draußen Zeilen wie “Kopf aus, Musik an, leg deine Hände in den Schoß. Oder aufstehen und dann tanzen, bis die Füße bluten” als Status durch den Äther schicken. Oder es werden sich an Langeweile und Alltag erkrankte Pärchen “Du bist Kirmes, du bist Möbelhaus, und ich bin genervt. Es wurde alles schon gesagt, doch noch nicht überall” im Stillen denken.

Und Love A sitzen mit dem Zynismus, dem einarmigen Halunken, nicht nur an der Bar und erzählen dreckige Witze, sie ziehen ihn sogar in die dunkelste Ecke (ihres Phantomschmerzes) und erzählen ihm vom Leben “mit so nem bisschen Glitzer, ein bisschen wie Italien”. LOVE EY!

Siehe concert-news.de

Rotation 2013: OK Kid

OK KidÜberall liest man sie die Tage: Jahrespolls. Da ich keinen Anspruch und gar keine Möglichkeit habe, alle wirklich “wichtigen” Veröffentlichungen dies Jahr gehört zu haben, kann ich euch nur sagen, welche ich besonders mochte, welche sich bei mir in mein Hirn frästen, aus dem Gehörgang für eine lange Weile nicht mehr rauskamen und an welche ich mich auch jetzt noch positiv erinnere.

OK Kid waren eine dieser Bands, die man ans Herz gelegt bekommt, er nur mit Textzeilen, dann mit ganzen Songs, die sich dann einbrennen. Einen ganzen Frühling und Sommer gehört, verlor ich sie dann aus den Ohren, aber das Konzert im Hamburger Knust hat mich dann wieder auf die richtige Bahn gebracht. Das selbstbetitelte Album der Gießener hat mich wirklich überrascht und umgehauen, denn sie haben da ein ordentliches Stück HipPop mit Trip-Hop und Elektrogespiele vorgelegt. Da werden einem Zeilen wie “Du bist allein, zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, zusammen, doch du hörst sie nicht mehr, die Kopfdisko ist heut nicht an.” um die Ohren gehauen, die Füße zucken vom zappeligen Beat getrieben und das Kopfnicken über das entweder aktuelle oder in der Vergangenheit liegende Einverständnis. Das Einverständnis über die in gute Wortspiele verpackte Gesellschaftskritik, die sich ohne hochgehobenen Zeigefinger durch die Songs schlängelt. Es schlängelt sich auch das in Textzeilen gebrachte Bild der Heranwachsenen. Das Finden oder Suchen des Weges, der einen irgendwohin bringen soll. Doch darüber singen können nur die wenigsten, Wortspiele und Doppeldeutigkeiten darüber auch. Hier zeigen OK Kid “Einsatz” und sagen ”Ne gute Line reicht und mir wachsen Flügel”.

Doch Fliegen ist nicht alles was sie können, kennen sie nicht nur das Oben, sondern haben auch schon auf dem Boden gelegen. Aber sie stellen sich wieder her, wenn sie den “Kopf aus der Schlinge einer scheinbar heilen Welt” ziehen.  Die drei, die mittlerweile in Köln wohnen stellen sich Fragen, die sich eine ganze Generation stellen, die Probleme, Irrungen und Wirrungen die am Ende nicht wehtun, jedenfalls nicht der Welt, die wir alle aber für so unglaublich wichtig halten. Wir mit unseren kleinen großen Dingen, die uns bewegen. Gerade letzteres bringen OK Kid in der Ü20-U35-Ode – “Mehr Mehr” – auf den Punkt. Und schaffen am Ende die Antwort auf “Allein, zu zweit, zu dritt…” und geben dem Album ein letztes Mal ein authentisches und lebensbejahendes Ende, frei nach dem Motto “Denn am Ende wird alles wieder gut, und solang es uns nicht gut geht, haben wir auch kein Problem.”Wie die Welt wohl wäre, wenn es Ton, Steine, Scherben noch gäbe, wüssten wir auch gerne. Wir vermuten ein bisschen besser. Aber solange es Bands wie OK Kid gibt, die sich daran erinnern, wird es auch so gehen.

siehe auch concert-news.de

Zugehört: Oscar And The Wolf

Oscar and the wolfAuf der Suche nach der perfekten Herbstbegleitung bin ich schon vor einigen Wochen über die belgischen Oscar And The Wolf und ihre am 4. Oktober erschienene selbstbetitelte EP-Collection (Debonair/Cargo) gestolpert. Bisher nicht in Deutschland veröffentlicht, enthält sie die bisher erschienenen EPs “Imagine Mountains” und “Summer Skin” inkl. neuem Song “Moonlight” und tanzbarer Remix-Version von “Orange Sky”. Generell ist der zweite Teil der Veröffentlichung wesentlich energiegeladener, aber dennoch bleibt das Hauptaugenmerk auf der wunderbaren Stimme des Sängers.

Diese steht bei den ersten Songs noch mehr im Vordergrund und stützt das weitere musikalische Gerüst, welches unter anderem aus einem bestechend schönen Piano besteht. Zudem lassen einen Textzeilen wie “Only love is wasting time” nicht mehr los, wenn du wolkenverhangen in den verregneten Hinterhof schaust. Elegisch baut sich “Pastures” auf mit einem drängenden (und bestechend schönen) Pianospiel.

Herzzerreißende Töne und Melodiestrukturen durchziehen dieses Meisterwerk, berühren mehr als auf der Oberfläche, erzeugen Gänsehaut im Inneren. Aus dem Kopf, den Ohren und dem schweren Herzen ist “Orange Sky” nicht mehr wegzudenken und führt beim etwas schnelleren Remix zu ruckartigen kleinen Bewegungen des Fußes. Unter der Decke verstecken, die Welt ausschalten, oder nach den letzten Träumen suchen, wenn gesungen wird “All we want is the moon”. Ab der Häfte setzt dann auch Schlagzeug in den Songs ein, die einen die träge Bettwärme beinahe aus den Knochen treibt, aber nur beinahe, denn selbst das lässt einen selig beruhigt in den Gedanken hängen, die da so unter der Decke schwirren.

Flüstern wir doch abschließend noch ein leises anerkennendes “Thank you” Richtung Robin Proper-Sheppard (Sophia, The God Machine), der die Produktion dieses Kunstwerks übernahm. Tage verplempern gelang selten so leicht!

Bestaunen kann man die Belgier in Deutschland am 18. Oktober beim PASS!ON VICTIM im Hamburger Knust. Hingehen lohnt sich, wenn Künstler wie Ben Howard, Villagers oder gar Lou Reed auch schon Fans sind.